In bestehenden Bauten ist viel graue Energie, Baukultur und Identität gespeichert. Deshalb und weil insbesondere im Wohnungsbau durch den Erhalt wichtige und vulnerable soziale Strukturen intakt bleiben können, gehört das Bauen im Bestand zu den zentralen Aufgaben unserer Zeit.
Ein erfolgreicher Umbau wirkt sich auf viele Komponenten eines Gebäudes aus und verhandelt dabei zahlreiche Zielkonflikte. In diesem fachübergreifenden Lehrgang «Aufbruch statt Abbruch» werden gebaute Beispiele und ihre Akteur:innen im Vordergrund stehen. Die Spielräume, Vereinbarungen und aussergewöhnlichen Lösungsansätze, die zu einem erfolgreichen Bau im Bestand beigetragen haben, werden offengelegt und diskutiert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ingenieur:innen, Architekt:innen, Bauphysiker:innen und weiteren Planer:innen ist ein entscheidender Teil der Expertise der SIA-Fachgruppe für Erhaltung von Bauwerken (FEB) und der beste Weg zu einem gelungenen Umbau. Dies ist auch die grundlegende Auslegung dieses Lehrgangs.
Kompetenzen
Strategien zur Verdichtung, Transformation und Umnutzung von bestehenden Bauten anhand anschaulicher Beispiele, u.a. aus «aufbruch-statt-abbruch.ch».
Strategien zur ökonomischen Beurteilung und Auswertung von unterschiedlichen Eingriffstiefen .
Strategien zum Umgang mit den bestehenden Normen und Gesetzen für das Bauen im Bestand, u.a. anhand der Wissensplattform auf «aufbruch-statt-abbruch.ch».
Strategien der Bestandesaufnahme, Grundlagenbeschaffung und architektonischen Analyse anhand bewährter Matrizen, Messarten und weiterer Tools.
Strategien zur technischen Zustandsanalyse, als Grundlage für die Festlegung der zukünftigen Nutzung und des Umbaukonzepts.
Strategien zum Umgang mit Haustechnik im Bestand mit besonderem Augenmerk auf Low-Tech-Lösungen und dem Zusammenhang mit der Nutzung und dem Betrieb.
Strategien zur Nutzung von Denkmalpflege, Baukultur und ISOS, als wertvolle Partnerthemen im Umgang mit Bestand mit vertiefter Wissensvermittlung zur Bewilligungsfähigkeit.
Strategien zum Umgang mit bauphysikalischen Fragen anhand anschaulicher Beispiele mit Verweis u.a. auf die Wissensplattform auf «aufbruch-statt-abbruch.ch».
Programm
Der Lehrgang «Aufbruch statt Abbruch» ist in fünf Module unterteilt. Jedes der fünf Module findet in einem Gebäude/Gebäudeteil statt, das exemplarisch umgebaut, umgenutzt oder saniert wurde (z. B. Museum Langmatt, Baden). Die Wahl des Kursorts steht jeweils in direktem Zusammenhang mit dem Thema des Moduls. Schlüsselpersonen aus dem Umbauprojekt gestalten aktiv das Modul mit und stehen am Kurstag für den fachlichen Austausch zur Verfügung. Der Fokus liegt bei jedem Modul auf einzelnen Fachgebieten. Gleichzeitig wird jeder Kurstag auch aufzeigen, wo die interdisziplinären Schnittstellen zu anderen Fachrichtungen liegen, wo sie gemeinsam mehr erreichen und wie sie den Bestand besonders zielführend für die Zukunft nutzen konnten.
Neben der fundierten Wissensvermittlung stehen die direkte Erfahrung mit den Bauten und der Austausch unter den Teilnehmenden stark im Vordergrund. Der gesamte Lehrgang bietet den Teilnehmenden umfangreiches, praxisnahes Wissen und ein zukunftsweisendes Netzwerk.
Beschrieb der Module
Eine Anmeldung an einzelne Modul ist nicht möglich.
Modul 1 – Zustandsanalysen und Machbarkeitsstudien
29.10.2026, Baden (Museum Langmatt), 09:00-17:00 Uhr
Gute Vorbereitung ist das A und O eines jeden erfolgreichen Bauvorhabens. Nur wer den Bestand kennt, wird ihn angemessen und ohne böse Überraschungen in die Zukunft führen können. Lernen Sie anhand konkreter Beispiele verschiedene Formen von Zustandsanalysen und Machbarkeitsstudien kennen, die von strategischen Ersteinschätzungen bis zu denkmalpflegerischen Tiefenschürfungen reichen. Im Zentrum stehen Wohnbauten sowie der Kursort, ein frisch restauriertes und erweitertes Kunstmuseum.
Mitwirkende: Alois Diethelm (Diethelm + Spillmann Architekten), Robert Fischer (Baupotential), Isabel Haupt (ehem. Denkmalpflegerin Kt.Aargau), Erich Niklaus (ErnstNiklausFausch Architekten), Markus Stegmann (Museum Langmatt), Michael Nötzli (Genossenschaft Neubühl) und Weitere
Modul 2 - technische Zustandsanalysen
18. oder 20.11.2026, Basel (Quartierzentrum Iselin, Felix-Blatter), 9:00-17:00
Für die Umsetzung eines Bauvorhabens ist eine technische Zustandsanalyse unumgänglich. In Modul 2 werden die Themen der statischen Überprüfung und Ertüchtigung, Gebäudeschadstoffe, Materialprüfungen und Anforderungen an den Brandschutz besprochen. Die Themen werden anschaulich an Praxisbeispielen diskutiert.
Mitwirkende: Andreas Gianoli (Lüchinger Meyer Partner), Philipp Thoma (Müller Sigrist Architekten), Stephan Baumann (bafob), Carolina Boschmann (VersuchsStollen Hagerbach AG) und Weitere
Modul 3 - Baukultur, Denkmalpflege und Immobilienökonomie
10.12.2026, Winterthur (Baukulturhaus, Sulzerareal, Lokstadt), 8:45-18:00
Erfahren Sie, was Baukultur wirklich bedeutet, wie Begriffe und Werte der Denkmalpflege definiert sind und lernen Sie praxisnahe Strategien der Immobilienökonomie kennen. Anhand von aktuellen Projekten werden Einblicke in Wirkungsweise und Prozesse der Denkmalpflege gegeben sowie die Grundlagen der Immobilienanalyse und standortbasierter Nutzungskonzepte vermittelt. Der Kurs bietet den Teilnehmenden einen abwechslungsreich gestalteten Weiterbildungstag mit Vorlesungen, Übung, interdisziplinärer Podiumsdiskussion und Besichtigung des zum Casino umgenutzten Industriedenkmals der Lokstadthallen.
Mitwirkende: Dr. Konstanze Domhardt (Denkmalpflege Winterthur), Jakob Fink (Cor AG) und Weitere
Modul 4 - Komfort, Energie und Wohnverhalten
Dieses Modul ist noch in Entwicklung und kann entsprechend noch angepasst werden.
zB 28.01.2027, Grossraum Zürich, 9:00-17:00
Lernen sie das Spannungsfeld zwischen Komfortansprüchen, Low-Tech-Strategien und sommerlichem und winterlichem Wärmeschutz im Umgang mit dem Bestand kennen. Gleichzeitig werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen der Schweizer Label beleuchtet. Wie können Bestandsbauten umgebaut, umgenutzt und weiterentwickelt werden und ebendiesem Spannungsfeld sowie den heutigen Ansprüchen gerecht werden? Zudem im Fokus: Schliessen von Stoffkreisläufen, Klimawirksamkeit und Reduktion von grauer Energie.
Mitwirkende: tbd
5. Modul - Verdichten, Transformieren, Umnutzen
25.02.2027, Bern (Quartierraum Holliger), 9:00-17:00
Was kann der Bestand bei Transformation und Umnutzung leisten? Anhand von ausgewählten aktuellen Beispielen werden Risiken und Chancen ausgewertet und mögliche Mehrwerte im Vergleich zu einem Ersatzneubau vorgestellt. Lernen sie Strategien zur Verdichtung im Bestand kennen und erfahren sie, wie die Frage aus Investorensicht beurteilt wird. Als Kursort dient das umgenutzte und aufgestockte Lagerhaus der Chocolat Tobler als anschauliches Beispiel zur Fragestellung.
Mitwirkende: Pascal Hendrickx (BHSF Architekten), Rolf Schaffner (Architekt), Dominik Arioli (AXA), Angelus Eisinger (RZU), Yves Schihin (Oxid Architektur) und Weitere
Zielgruppen
Architekt:innen, Ingenieur:innen, Bauphysiker:innen und weitere Fachexpert:innen
Private und institutionelle Bauherrschaften
Portfoliomanager:innen
Behördenmitglieder
Kosten
Studierende unter 30 Jahre: CHF 850.-
Firmenmitglieder SIA: CHF 1'190.-
Einzelmitglieder SIA: CHF 1'450.-
Nichtmitglieder: CHF 1'700.-
Eine Anmeldung an einzelne Modul ist nicht möglich.
Referierende
Isabel Haupt, ehem. Denkmalpflegerin Kt. Aargau
Markus Stegmann, Direktor Museum Langmatt
Erich Niklaus, Ernst Niklaus Fausch Architekten, Zürich
Konstanze Domhardt, Denkmalpflegerin Stadt Winterthur, Vorstand FEB
Fritz und Michael Wehrli, private Bauträger, Zürich (angefragt)
Alois Diethelm, Diethelm Spillmann Architekten, Zürich, Vorstand FEB
Nora Linsi, Gartenmann Engineering, Bauphysik, Zürich, Vorstand FEB
Beat Lauber, Lauber Ingenieure, Luzern, Vorstand FEB
Yves Schihin, Oxid Architektur, Zürich, Vorstand FEB
Pascal Hendrickx, BHSF Architekten, Zürich, Vorstand FEB
Rolf Schaffner, Schaffner Architekten, Zürich
Anmeldung
Datum / Zeit / Ort
Anmeldung bis 11.09.2026 möglich. Maximal 20 Teilnehmende.
Modul 1 — 29. Oktober2026, 09.00 - 17.00 Uhr (Apéro von 17.00 bis 18.00), Baden
Modul 2 — 18. oder 20. November 2026, 09.00 - 17.00 Uhr, Basel
Modul 3 — 10. Dezember 2026, 08.45 - 18.00 Uhr, Winterthur
Modul 4 — tbd
Modul 5 — 25. Februar 2027, 09.00 - 17.00 Uhr (Apéro von 17.00 bis 18.00), Bern